Rückblick auf die LAG Herbsttagung 2014

Werkstätten wirken

Werkstätten für behinderte Menschen bilden einen wichtigen Lebensmittelpunkt für die Betroffenen. Dass sie darüber hinaus auch ein enormer Wirtschaftsfaktor sind, beweist eine aktuelle Studie zur Sozialbilanz der Einrichtungen.

Zeulenroda-Triebes – Für die rund 10000 Beschäftigten der 32 Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) in Thüringen bildet ihre Werkstatt vor Ort den Lebensmittelpunkt: Dort werden sie gebraucht, verrichten wertvolle Arbeit, treffen Kollegen und Freunde. Dass die Werkstätten darüber hinaus wichtige Wirtschaftsfaktoren für die jeweilige Region und nachweislich Sozialunternehmen sind, beweist nun auch eine Studie zum sogenannten Social Return on Investment (SROI), die bundesweit zum ersten Mal von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und der xit GmbH im Auftrag der Bundesarbeitsgemeinschaft Werkstätten für behinderte Menschen (BAG WfbM) durchgeführt wurde. Auf der diesjährigen Herbsttagung der Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) WfbM in Zeulenroda stellte Dr. Martin Kaufmann, Referent für Wirtschaft bei der BAG WfbM, die Ergebnisse vor.

 

„Werkstätten sind keine Parasiten“, stellte er klar. Das vorherrschende Bild von Einrichtungen, die nur öffentliche Gelder verschlängen, würde anhand der Studie nachweislich widerlegt. Social Return on Investment bedeute, dass Sozialausgaben der öffentlichen Hand nicht als „versenkte Mittel“, sondern als Investitionen betrachtet werden. „Werkstätten und ihre Mitarbeiter führen Steuern und Sozialbeiträge ab, sie vermeiden an anderer Stelle Kosten für die öffentliche Hand und erzeugen direkte und induzierte wirtschaftliche Effekte für die Regionen“, heißt es in der herausgegebenen Broschüre. In Zahlen ausgedrückt: Von 100 Euro von öffentlicher Hand investierten Euro fließen 51 Euro sofort wieder an die Gesellschaft zurück, die von den erhaltenen Zuschüssen und Entgelten abgezogen werden.

Darüber hinaus erwirtschaften Werkstattbeschäftigte einen Teil ihres Lebensunterhaltes und leisten somit einen wertvollen volkswirtschaftlichen Beitrag. „Das vielleicht interessanteste Ergebnis brachte uns ein dritter Schritt“, erklärte Dr. Kaufmann. Hierbei wurden die Kosten berechnet, wenn es das Werkstattangebot für behinderte Menschen nicht gäbe. „Erstaunlicherweise sind die Alternativen wie beispielsweise der Verbleib zu Hause nicht günstiger“, so Kaufmann. Bettina Schmidt, Vorstandsmitglied der LAG und Vorsitzende Geschäftsbereichsleitung der Diakoniestiftung Weimar-Bad Lobenstein, kann diese Feststellung nur bestätigen: „Der Christopherushof Altengesees hat als Berichtsregion an der Studie teilgenommen. Dabei haben wir festgestellt, bliebe ein Beschäftigter zu Hause, würde das die öffentliche Hand mehr als 11000 Euro kosten. Arbeitet er aber in der Werkstatt, liegen wir bei noch nicht einmal 8000 Euro.“ Zu Hause bleiben sei insofern teurer für die öffentliche Hand, da mindestens ein Elternteil die Betreuung übernehmen müsse, dafür entsprechende Leistungen beziehe und andererseits nicht selbst arbeiten gehen könne, ergänzte Schmidt. Hinzu käme ein weiterer entscheidender Vorteil der Werkstatt: die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und der Kontakt zu anderen Menschen außer den Eltern.

Eine letzte Perspektive schließlich untersuchte die Bedeutung der Werkstatt als Wirtschaftsfaktor. „Werkstätten sind Sozialunternehmen“, fasste Dr. Martin Kaufmann zusammen. „Sie holen Aufträge in die Region und schaffen Arbeitsplätze – nicht nur für die Beschäftigten. So entsteht bundesweit eine direkte und induzierte Nachfrage in Höhe von insgesamt sechs Milliarden Euro. Unterm Strich ergibt das ein deutliches Plus für die Gesellschaft. 100 Euro, die in Werkstattleistungen investiert werden, erzeugen auf diese Weise eine Wertschöpfung von 108 Euro.“ Damit ergebe sich eine durchweg positive Sozialbilanz: „Die Teilhabeangebote der Werkstätten verbinden Sozialleistungen und wirtschaftliche Produktivität zu einem Kreislauf“, erklärte er und fügte hinzu: „Damit verbessert das Werkstattangebot die Lebensqualität von behinderten Menschen, die Unterstützung im Arbeitsleben brauchen, und fördern die Wohlfahrt der Gesellschaft.“

 

                  

         

Termine

07.03.18 RAK-Ost Schleiz
19.03.18 RAK-Süd Wickersdorf
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09.05.18 Frühjahrstagung Holzdorf
25./26.10.18 Herbsttagung Zeulenroda